Es ist nicht was du denkst...
Brompton-Nachbauten in einem Fahrradladen in Hongkong
In Asien werden die in Europa einzigartigen Brompton Falträder kopiert. Die Klone sind oft besser und erheblich preiswerter als das Original. In Europa gibt es sie nicht zu kaufen, in Fernost schon.
Brompton als Kultobjekt und Kunstwerk
Die Brompton Klappräder sind Kult. Der englische Faltradhersteller hat eine mächtige Marketingmaschine geschaffen, die seine Räder perfekt in Szene setzen – meistens im gefalteten Zustand. In den Läden, sie nennen sich Brompton Junction, werden die Fahrräder überwiegend zusammengeklappt in Regalen zur Schau gestellt.
Die 1975 gegründete Brompton Bicycle Limited, die am Stadtrand von London ihren Unternehmenssitz hat, fertigt in England Falträder mit sehr charakteristischem Aussehen, allerdings in den unteren Preisklassen mit veralteter Technik. Bislang unverwechselbar war die Erscheinung des zusammengeklappten Fahrrades, das umfassend vor Kopien geschützt ist.
Skizze aus Brompton Patent
Die bereits 1999 ausgelaufenen Patente zur Technik des Faltmechanismus ermöglichen aufgrund anderer Schutzrechte nach wie vor keinen Verkauf sehr ähnlicher Fahrräder in Europa. Wer es dann doch versucht, bekommt es mit der europäischen Justiz zu tun. So z. B. der koreanische Fahrradhersteller Chedech, der versucht hatte, seine Falträder im Brompton-Stil in Europa zu verkaufen. Brompton klagte dagegen und gewann.
Skizze aus Brompton Patent
Brompton hatte in seinem Antrag vor Gericht neben vielem anderen, durchaus verständlichen optischen Merkmalen, sogar das Kopieren des Erscheinungsbilds „die lose hängenden Kabel“ zu verbieten versucht. Am 11. Juni 2020 stellte der EuGH fest, dass es für Brompton Falträder einen weiteren Kopierschutz gibt, der über den der Patente hinausgeht.
„Die Art. 2 bis 5 der Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft sind dahin auszulegen, dass der in diesen Artikeln vorgesehene Urheberrechtsschutz auf ein Erzeugnis Anwendung findet, dessen Form, zumindest teilweise, zur Erreichung eines technischen Ergebnisses erforderlich ist, wenn es sich bei diesem Erzeugnis um ein aus einer geistigen Schöpfung entspringendes Originalwerk handelt, weil der Urheber des Werkes mit der Wahl der Form des Erzeugnisses seine schöpferische Fähigkeit in eigenständiger Weise zum Ausdruck bringt, indem er freie und kreative Entscheidungen trifft, so dass diese Form seine Persönlichkeit widerspiegelt. Es ist Aufgabe des nationalen Gerichts, unter Berücksichtigung aller einschlägigen Aspekte des Ausgangsrechtsstreits zu prüfen, ob dies der Fall ist.“
Heißt also, dass die Brompton Fahrräder nicht nur ein spezielles technisches Objekt, sondern auch ein angewandtes Kunstwerk sind, für das weitere Urheberrechte gelten. Somit sind diese fahrenden Kunstwerke zumindest in Europa geschützt.
Asien: Paradies der Brompton-Klone
Allerdings sieht man die Sache in Asien ganz anders. Hier gedeiht die Klon-Fertigung, vor allem in China. Es ist nicht schwierig, moderner und billiger zu sein als die Brompton Originale, erst recht nicht für chinesische Hersteller. Eine Vielzahl von Unternehmen kopiert inzwischen den Faltmechanismus mitsamt dem damit verbundenen technischen Design. Die restliche Ausstattung ist dabei fast immer besser als beim Original.
Teilweise werden die Fahrräder sogar in Europa designt, beispielsweise arbeitet die Marke Java mit einem Designstudio in Italien zusammen. Erhältlich sind die Trifold-Fahrräder vor allem in den ostasiatischen Metropolen Taipeh, Hongkong, Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Manila, Bangkok, Kuala Lumpur, Singapur, Jakarta. Die größte Auswahl gibt es in Hongkong und Singapur. Japan und Korea sind jedoch keine guten Länder für die Nachbauten.
Natürlich sind die Klone auch in China erhältlich, nur hier sind die Fahrradläden aufgrund der Sperre von Google, Youtube, Facebook und Co. schwieriger zu finden.
Die Brompton Herausforderer heißen unter anderem:
3sixty, Aceoffix, Alps, Avro, Banian, Cacco, Cedtech, Cranston, Ethereal, Hachiko, Java, Leggero, Liaoge, Litepro, Mint, Neobike, Nishiki, Oltre, Pikes, Rifle, Royale, Ruhm, Takachia, Thornton, THROVE, Violi…
Preise und Technik: Original vs. Klon
Das preiswerteste Brompton Faltrad kostet in Deutschland 1100 €. Dafür bekommt man ein Fahrrad ab 11,5 kg, Stahlrahmen, 3-Gang Sturmey Archer Nabenschaltung, mit Felgenbremse und gelöteter Gabel, allerdings ohne Rücktrittbremse – alles im Design der 70er Jahre.
Das teuerste Brompton kostet 6699 €. Ab 8,8 kg, Titanrahmen, 12-Gang Naben-/Kettenschaltungsgemisch, ohne Scheibenbremsen, selbst in dieser Preisklasse. Das macht auch dieses teure Fahrrad zu einem reinen Stadtrad, in der es besser überwiegend horizontale Straßen gibt.
Brompton hat nur ein Rad mit Scheibenbremse, das ist die erst im Oktober 2024 auf den Markt gekommene G-Line für 2879 €. Die G-Line ist auch das erste Brompton mit 20-Zoll-Reifen.
Die Preise des Originals werden von den asiatischen Herstellern grundsätzlich unterboten. Die asiatischen Klone gibt es ab umgerechnet 340 €, also etwas weniger als ein Drittel des Preises des billigsten Bromptons, und viele wiegen unter 10 kg, auch schon in den unteren Preisklassen.
Es gibt sie wie das Original natürlich mit 16-Zoll-Reifen und auch bereits seit längerem in der 20-Zoll-Variante. Brompton ist erst kürzlich auf diesen Zug aufgesprungen. Selten in Asien ist die 18-Zoll-Variante, aber sie gibt es.
Neben der alten Technik wie beim Original gibt es auch alle anderen technischen Ausstattungen: zum Beispiel hydraulische Scheibenbremsen, teils mit im Rahmen verlegten Hydraulikleitungen, elektrische Schaltungen, Kassettenzahnkränze, Nabenschaltung oder eine Mischung aus beidem.
Die Rahmen sind aus Stahl, Aluminium, Kohlefaser und Titan, mit und ohne Gepäckträger, und fast alle mit der Brompton-typischen Taschenhalterung über dem Vorderrad. Die Schaltungen werden von Shimano, Sram und den chinesischen Herstellern L-Twoo, Sensah, microSHIFT sowie einigen namenlosen Anbietern geliefert.
Es gibt verschiedene Bereifungen in der Serienausstattung, auch die des viel beachteten Reifenherstellers Schwalbe, der in Vietnam produziert. Unter 430 € gibt es einige gute und sehr leichte Räder mit Komponenten von renommierten Zulieferern.
430 € ist die Grenze für den Zoll für mitgeführte Einkäufe im Reisegepäck. Bis zu diesem Betrag fallen in der Europäischen Union keine Einfuhrabgaben für ein mitgeführtes Fahrrad an.
Beispiel: Java Neo 9S Trifold
Ein Trifold, das gerade in Massen auf den asiatischen Markt geworfen wird, ist das 16-Zoll Java Neo 9S. 9-Gang, Aluminiumrahmen und -gabel, hydraulische Scheibenbremsen mit im Rahmen verlegten Leitungen. Radnaben, Felgen, Bremsen und Hollowtech Tretkurbeln und Lager sind No Name, aber gut.
Der hintere Kettenumwerfer ist Shimano Sora, die Handschaltung Shimano Alivio, vorne 50 Zähne, hinten 32/11 Zähne. Das linke Pedal ist steckbar.
Das Java Neo 9S fährt sich gut. Wer die gebeugte Fahrerposition bevorzugt, der wird hier zufrieden sein. Auch bergab fühlt man sich dank der Scheibenbremsen sicher. Die Schaltung erstreckt sich über einen großen Übersetzungsbereich, eine Fahrt bergauf und höhere Geschwindigkeiten in der Horizontalen sind problemlos möglich. Und bei dem Gewicht von 9,8 kg ist es auch gut tragbar.
Unangenehm an dem Rad sind die lauten Geräusche des Freilaufs, der durch die hohen Alufelgen noch einen üppigen Resonanzkörper bekommt. Die Presta-Ventile des Schlauches sind bauartbedingt schlank, allerdings weniger gut in der Handhabung als ein Autoventil. Dazu kommt, dass die Ventile viel zu lang sind. Es ist nicht viel Platz für eine Luftpumpe aufgrund des geringen Abstands zwischen Ventil und Bremsscheibe bzw. Zahnkranz.
Zusammengefaltet misst das Rad 69 cm × 30,5 cm × 58 cm, somit, alle Zahlen addiert, 157,5 cm, also leicht unter 158 cm, welches die max. Gepäckgröße der meisten Fluggesellschaften ist.
Preis Java Neo 9S in Hongkong: 3680 HKD (≈ 398,91 Euro), in der VR China: 2999 RMB (≈ 369,78 Euro).
Zoll und Produktpiraterie
Und das schreibt der Zoll zu dem Thema Marken- und Produktpiraterie im Reisegepäck auf zoll.de:
„Die Zollbehörden schreiten ein, wenn der Verdacht auf einen gewerblichen Charakter der Einfuhr besteht. Dies gilt unabhängig davon, ob die für die Einfuhrabgabenbefreiung geltenden Mengen- und Wertgrenzen eingehalten wurden.“
Fazit
Ein Klon unter 430 € pro Reise und Person ist ok.